Forum: Rifleman’s Guide to Rimfire Ammunition
Ein Buch von Steven Boelter, erschienen bei Zediker Publishing, November 2006, ISBN 096269251-4

Author Jürg Müller

Dieses Buch ist das Resultat des meines Wissens eindrücklichsten Experiments mit Randfeuermunition. Der Autor benutzte 137 verschiedene Sorten von 11 verschiedenen Herstellern. Der Test dauerte zwei Jahre, es wurden über 32'000 Schuss abgefeuert und drei Läufe wurden verbraucht.
 
Ich versuche nachstehend einige der Highlights und Erkenntnisse zusammen zu fassen. Interessenten können das Buch gelegentlich von mir zur Einsicht bekommen oder bei Sinclair oder im Handel direkt bestellen.
 
1. Verwendete Munition
Der Autor verwendete nur Munition, welche im Handel (in den USA) gekauft werden konnten. Kein lot wurde von Herstellern zur Verfügung gestellt. Die Tests wurden mit Patronen out of the box vorgenommen, also nicht noch besonders aussortiert nach Gewicht etc.
Ausser .22lr wurden auch .17HMR und .17MachII und .17 Aguila getestet


2. Test Set up
Die Tests wurden alle im Freien auf demselben Schiessstand durchgeführt. Der Autor hat im Vorfeld Versuche in Schiesstunnels gemacht und diese wegen der Unberechenbarkeit der Störungen durch Ventilation etc. als unbrauchbar taxiert! Es wurde darauf geachtet, dass die Tests bei vertretbar ähnlichen Witterungsbedingungen durchgeführt wurden.


3. Messung der Gruppen
Pro Sorte wurden 5 Gruppen à 5 Schuss geschossen, dann der Durchschnitt gerechnet. Die Abweichungen der einzelnen Gruppen wurden ebenso gemessen wie die Geschwindigkeit.


4. Waffen
Für Match Munition wurden verwendet:
- BR Gewehr mit Turbo Mark 1 action, Lilja Lauf, Jewell Abzug
- BR Gewehr Anschütz 1411 Custom mit Border Lauf
- BR Gewehr mit Hall custom action, Lilja Lauf mit 3 Zügen, Jewell Abzug

Für Sporting Munition wurden verwendet:
- Sako Finnfire Target mit verschiedenen Läufen von Sako und von Lilija
- Custom Ruger 10/22
- Power Custom Kidd Ruger 10/22
- Volquartsen Ruger  für .17HMR
- Anschütz 1702 für .17Mach2


5. Munitionshersteller .22lr
- Aguila
- Armscor
- CCI
- Eley
- Federal
- Fiocchi
- Klimovsk
- Lapua
- PMC
- Remington
- RWS
- Sellier & Bellot
- SK Jagd
- UMC
- Winchester


6. Wahlweise herausgenommene Resultate, wobei bedeuten:
OAG = overall average group size in Zoll
Dev. = +/- Abweichung in Zoll, resp. fps
V = Geschwindigkeit in fps

Marke Sorte Masse G Streuk. Zoll Abw. +/- Vo fps Abw. Fps Bemerkungen
Eley Ultimate EPS Red 39.2 0.298 0.07 1072 5.00 Top of the line von Eley
  Ultimate EPS Red "fast" 39.9 0.551 0.13 1247 5.30 schnellere Version, war mir nicht bek.
  Tenex Red 39.8 0.202 0.06 1063 4.65 alte Tenex, nicht mehr im Handel
  Silhouex 40.4 0.438 0.15 1098 13.21  
Federal Gold Medal Ultra Match UM1B 39.8 0.451 0.12 1133 0.93 wird nicht mehr hergestellt, tiefe V Abw
  Gold Medal 711B 39.4 0.581 0.21 1095 13.11 nichts für enge Lager
Fiocchi Super Match 320 39.8 0.451 0.12 1133 0.93 extrem tiefe Vo Abweichung
Klimovsk Russian Temp 40.2 0.656 0.18 992 10.38 Einzige Russ. Marke im Test
Lapua Exact - - - - - z.Z. des Tests noch nicht am Markt
  Midas M 40 0.348 0.07 1105 2.14 Top of the line von Lapua z.Z. des Tests
  Midas L 40 0.363 0.11 1118 5.45  
  Master L 40.1 0.369 0.10 1113 4.24 2.Qualität der Midas
  Scoremax 48 0.916 0.31 1103 22.94 Höhenstreuung, Achtung auf Dralllänge
PMC Scoremaster 39.2 0.582 0.13 1180 7.36 Geschossdurchmesser > als normal
Remington Eley Match EPS 40 0.451 0.09 1118 3.11 von Eley gefertigt, Zündmasse ist anders
  Eley Target Rifle 39.7 0.51 0.13 1106 7.33 von Eley, aber ohen EPS Geschoss
  T-22 39.7 0.51 0.13 1106 7.33  
RWS R-50 41.2 0.353 0.06 1175 25.19 extreme Vo Abw, aber top of the line
  R-100 41.3 0.339 0.06 1167 5.36 müsste eine Top Silhouette Patr sein
SK Jagd Match Gold 40 0.396 0.07 1113 4.12 gehört heute zur Lapua Gruppe
  Biathlon 39.7 0.259 0.04 1118 24.64 Top, obwohl hohe V Abweichung
  Rifle Match 39.8 0.493 0.17 1066 3.99 valable Alternative
Winchester Supreme Match 40.1 0.355 0.10 1109 12.75  
Wolf Match Gold 40.1 0.414 0.15 1119 2.83 Von SK Jagd gefertigt
  Match Extra 39.8 0.395 0.06 1127 5.55 gefällt!


7. Patronenlager
Ein ganzes Kapitel wird dem Thema Patronenlager gewidmet. Es ist zu umfangreich um hier eine guten Abhandlung zu machen, aber es ist erstaunlich welche verschiedenen Dimensionen es gibt und wie sich diese auf optimale Resultate auswirken. Wollte man wirklich das Optimum herausholen müsste man das Lager für eine bestimmte Patronensorte anfertigen lassen (es gibt zum Beispiel spezielle reamer für Eley EPS chamber!)


8. Lot Variationen
Auch hier erstaunlich – obwohl nicht neu – was man herausholen kann.


9. Verschiedene abgehandelte Kapitel
- Felderfahrungen mit den 17er Kalibern
- Randdicke und Gewicht der geladenen 22er
- Betrachtungen über Pulver und Zündmaterial
- Barrel Tuners (diese verstellbaren Dinger an der Mündung um die Lauf- schwingung zu beeinflussen)
- Aussagen zu Laufreinigung und „fouling“: Ein gereinigter Lauf taugt nichts für enge Gruppen. Bevor der Lauf enge Gruppen schiesst müssen 10-30 „fouling“ Schüsse abgegeben werden (Faustregel 1 Patrone pro Zoll Lauflänge). Danach hat der Lauf die benötigte Wachsschicht. Nach Wettkämpfen und zwischen Wechseln der Munitionssorte Lauf nur mit losen, befeuchteten patches durchstossen und danach mit patches trocknen. Also eigentlich nur „light cleaning“ und dann und wann nach 500-1000 Schuss den Lauf komplett reinigen. Lilja meint übrigens, dass eine Benchrest Lauf nach ca. 10'000 Schuss nicht mehr 100%ig schiesst.
- und anderes mehr.

10. Anmerkung zur Zusammenfassung des Tests:
 
Ich habe mit Ausnahme von PMC und Klimovsk nur die Matchpatronen verglichen. Im Buch sind zusätzlich noch fast alle Standard und Hochgeschwindigkeits Patronen untersucht worden. Die .17er Patronen werden im Buch ebenfalls untersucht, auch auf ihre Zielwirkung.
 
Patronenlager:
Offenbar gibt es heute über 30 verschiedene Patronenlager Masse. Neuerdings werden auch auf spezielle Patronen abgestimmte Masse angeboten, so z.B. für Eley Ultimate EPS oder RWS R50. Ein renommierter Hersteller von entsprechenden Reibahlen ist Pacific Tool and Gauge, in White City, Oregon. Für Automaten hat sich der „Bentz“ chamber als hervorragend erwiesen. Konklusion der Tests: Top Patronen wie Midas oder Eley schiessen in den meisten Lagern hervorragend aber in den abgestimmten legen sie noch eine Klasse zu.
 
Abweichung in Fabrikationslosen:
Ein aufwendiger Test mit Eley Ultimate EPS zeigte, dass auch solche Patronen Abweichungen in den Fabrikationslosen haben. Der beste Streukreis von 0.208 kann sich auf 0.371 ausweiten.
 
Sinnvolle Munitionswahl für Silhouetten Schiessen:
Der Autor vertritt die Auffassung, dass man nur auf Spitzenprodukte zurückgreifen soll, wenn man ein bestimmtes Mass an Schützenstreuung nicht übersteigt. Sinngemäss aus seinen Ausführungen über das SB Silhouetten Gewehrschiessen übersetzt hiesse, dass auf Topmunition verzichtet werden kann, wenn der Schütze nicht in der Lage ist die Streuung eines Huhns auf 75m oder 100m zu halten. Dann könne man ruhig auf eine gute Mittelklasse Patrone wie die SK Jagd Standard zurückgreifen. Wenn die eigene Streuung so gross ist wie ein Essteller, brauche man auch keine R50 zu kaufen!
 
Aussortieren nach Randstärke und Gewicht:
Bei Spitzenpatronen wie Eley oder Lapua kann man sich das sparen. Bei normalen Sportpatronen bringt es etwas aber wenn man den Zeitbedarf dafür rechnet kann man gerade so gut auf die teureren Spezialpatronen zurückgreifen.
 
Barrel tuner und Reinigung:
Ich verzichte darauf einzugehen, da die Barrel Tuner für unsere Disziplinen ohnehin nicht erlaubt sind und das Reinigunsprozedere etwas individuell gehandhabt wird. Nur soviel: Ein sauberer Lauf schiesst nicht gut, man muss mindestens 20-30 „fouling shots“ abgeben damit der Lauf die nötige Wachsschicht aufgebaut hat. Eine kleine Reinigung alle 500 oder 1000 Schuss ist alles, was es braucht.
 
Lebensdauer eines Laufes:
Der Autor ist der Meinung, dass die Lebensdauer eines BR Laufes mind. 10'000 Schuss beträgt. Für Läufe an normalen Waffen gilt ein Vielfaches. Interessant ist ein Interview mit Dan Lilja. Dieser berichtet, dass er dann und wann einen Lauf zu Gesicht bekommt, welcher eine Blähung aufweist. Offenbar merke man als KK Schütze nicht, wenn durch eine fehlerhafte Munition eine Kugel im Lauf stecken bleibt und man dann diese mit der nächsten Kugel aus dem Lauf stosse! Kaum zu glauben, aber…….


JM/19.10.08


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